Geschichte
Kleine Geschichte des Weinortes Kleingartach
von Alexander Krysiak (Version von T. Maurer)
Kleingartach im Oberen Leintal gelegen, wird erstmalig im Jahre 788 im Schenkungsbuch des Klosters Lorsch erwähnt. Der Name der ursprünglichen Dorfsiedlung rührt von ihrer Lage an dem Flüsschen Gartach (heute Leinbach) her und heißt wörtlich „eine eingezäunte oder begrenzte Wohnstätte an einem Bachlauf“. Der Ortsadel, der im 12. Jhd. bezeugt ist, erbaute zwischen 1220 und 1250 auf dem 307 m hohen Leinberg nordwestlich der alten Dorfsiedlung eine Höhenburg namens Luneburg (Leinburg) als Herrschaftssitz. Ein Ludwig von Leinburg erscheint 1231 im Gefolge des Stauferkönigs Heinrich (VII.) und tritt 1241 als Mitstifter des Klosters Maulbronn auf, wo er auch begraben liegt. Die Leinburg wird 1427 letztmalig urkundlich erwähnt und bildet seither einen denkmalgeschützten Burgstall mit der seit Anfang des 20. Jahrhunderts nachweisbaren Wengertwirtschaft Zur Leinburg. Nach dem Aussterben der Herren von Luneburg um 1280 fällt ihr Erbe an die Herren von Weinsberg auf deren Betreiben zwischen 1274 und 1295/99 die Stadtrechtsverleihung erfolgte (1295 civitas Luneburg). Die Stadtsiedlung wurde im späten 13. Jh. planmäßig zwischen dem Seebach und der Lein angelegt und führte zu einer Aufgabe der alten Dorfsiedlung. Noch 1325 ist das erstmals Stadt genannte Kleingartach (Stat Gartach), die Leinburg (Luneburg die Burg) und das erstmals urkundlich erwähnte Nachbardorf Niederhofen (Nyderhofen) im Besitz von Engelhard von Weinsberg. Um 1330 gelangten die Markgrafen von Baden in den Besitz des Oberen Leintals, weil die Weinsberger mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten. Nicht lange konnten sich die Markgrafen von Baden hier halten, die die Stadt bereits 1332 an den Edelknecht Albrecht Bruzze verpfänden. 1335 kann dann Graf Ulrich III. von Württemberg für 950 Pfund Heller das Pfandrecht an der Stadt erwerben. Bei der Teilung der Grafschaft Württemberg 1442 durch den Nürtinger Vertrag wird die Stadt Gartach als eigenes Amt aufgeführt: Zu diesem Amt zählte auch Niederhofen und Stetten aus dem sich später der so genannte Heuchelberger Stab entwickelte. Graf Ludwig von Württemberg-Urach erteilte 1447 der Stadt Kleingartach die Erlaubnis für einen Jahrmarkt. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) hatte die Stadt arg zu leiden, so dass die Zahl der männlichen Bürger von 117 auf 33 zurückging. 1641 lebte nur ein Mann in Kleingartach, während die übrige Bürgerschaft sich nach Güglingen, Brackenheim und andernorts flüchtete. Als Hauptort der Heuchelberger Stabsorte (hervorgegangen aus dem Amt Gartach) zählte Kleingartach zum württembergischen Oberamt (ab 1934 Kreis) Brackenheim. Seit 1938 ist Kleingartach dem Landkreis Heilbronn zugehörig. Der historische Stadtkern von Kleingartach war mit seinem quadratischen Grundriss einst vollständig ummauert und wurde durch zwei Stadttore mit Türmen (westliches Obere Tor und östliches Untere Tor) bewehrt. Die rund 20 m hohe Hochwacht, der Obere Turm genannt, befand sich nahe der Bäderstraße. Die Niederlegung der Stadtbefestigung erfolgte Anfang des 19. Jahrhunderts. Noch heute vermitteln die schmalen, verträumten Gassen des Stadtkerns mit seinen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkhäusern einen Hauch von Mittelalter. Teile der Stadtmauer stehen noch in der Torgasse und bei der Kelter. Das seit dem 16. Jhd. nachweisbare Wappen der Stadt zeigt im roten Schild einen silbernen Zinnenturm auf einem grünen Dreiberg, flankiert von zwei grünen Laubbäumen, darüber befindet sich das württembergische Wappenschild mit drei schwarzen, liegenden Hirschstangen im gelben Feld. Der Zinnenturm symbolisiert wohl den abgegangenen Bergfried der Leinburg. Das Wappen ist in dieser Form seit 1514 überliefert. Die Stadtfarben von Kleingartach sind Weiß-Rot. Die historische Stifts Kelter mit Fruchtkasten, einem großen Gewölbekeller und einem der größten Krüppelwalmdächer Württembergs wurde 1474/75 vom Ritterstift in Wimpfen erbaut. Die spätgotische St. Martinskirche wurde 1468 errichtet, wobei der untere Teil des Chorturms aus dem 13. Jh. datiert. Kleingartach ist auch die Heimat der Vorfahren des schwäbischen Dichters Ludwig Uhland (1787-1862) aus Tübingen, dessen Kleingartacher Ur-Urgroßvater Johann Michael Uhland (1658-1705) als Quatiermeister im erbprinzlichen Kreisregiment diente und der Überlieferung nach gegen die Türken kämpfte.
Am 01.12.1971 erfolgte die von Kleingartach gewählte Eingemeindung nach Eppingen. Vom 28. bis 30. Juni 2013 wurde in Kleingartach die erste urkundliche Erwähnung vor 1225 Jahren gefeiert. Große Bedeutung nimmt seit langem der Weinbau ein. Auf rund 100 ha gedeihen hier die verschiedensten Rebsorten, die in die hautsächlich an die Heuchelbergkellerei nach Schwaigern abgeliefert werden. Nachdem die Industrie immer wichtiger wurde, ist es seit 1976 durch den Bau eines Gewerbegebietes im Gewann „Gemminger Feld“ schließlich gelungen auch zahlreiche Gewerbebetriebe anzusiedeln. Die Kinderheimat, welche 1960 von Stadtpfarrer Willi Häcker gegründet wurde und sich 2006 mit den Jugendwerkstätten Heilbronn e.V. zur Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn e.V. zusammenschloss. Diese Jugendhilfeeinrichtung kümmert sich stationär, in der Christian-Heinrich-Zeller-Schule und in Tagesgruppen um Kinder und Jugendliche, die bei ihrer Erziehung und Entwicklung Hilfe benötigen. Außergewöhnlich ist die auch heute noch bestehende sehr gute Infrastruktur in Kleingartach. Die alle Bedürfnisse des täglichen Bedarfs von A wie Autoservice über M wie Metzgerei bis Z Zimmermann abzudecken vermag.




