Waldbegehung des Gemeinderates 

Wie ist der Zustand des größten kommunalen Waldes im Landkreis Heilbronn?

Gemeinderat informierte sich über den Zustand des größten kommunalen Waldes im Landkreis Heilbronn

Es steht nicht besonders gut um den zweitgrößten Kommunalforst im Regierungsbezirk. Angesichts der kahlen Flächen durch das Fichtensterben und der zunehmenden Verbreitung des Borkenkäfers sowie neuer Schädlinge sind die Aussichten für den Eppinger Stadtwald düster. Bei einer Fläche von über 2000 Hektar Stadtwald sind auch eine Bewässerung oder der Einsatz von Pestiziden keine Alternativen. Lösungsansätze bringen die Naturverjüngung und eine Durchmischung der Baumarten. Unter der fachkundigen Führung von Forstdirektor Martin Rüter und seiner beiden Revierleiter Michael Meny (Revier Birkenwald) und Jürgen Stahl (Revier Ottilienberg) machten sich die Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter am 11. September auf eine zweistündige Tour durch den Eppinger Stadtwald.
Der Waldkindergarten ist von einem alten Buchenbestand umringt. Die 140 bis 160 Jahre alten Laubbäume zeigen auch aufgrund der Trockenheit zunehmend Alterserscheinungen. „Im Spätsommer mussten wir die gefährdeten Bäume entfernen“, bedauert Revierförster Michael Meny. Aus Gründen der Verkehrssicherheit – denn ein herunterfallender Ast erschlägt ein Kind oder durchschlägt den Helm eines Arbeiters. „Es wird darauf hinauslaufen, dass wir alle alten Buchen fällen müssen“, macht Meny keinen Hehl aus der ernüchternden Lage. Auf weit über 1000 Hektar ist der Waldboden zu trocken. „Nach dem Hitzejahr 2018 gab es objektiv auch in diesem Jahr nicht mehr Regen“, betont der Leiter des Eppinger Forstamtes, Martin Rüter. Von der Fichte müsse man sich im Stadtwald wohl verabschieden, sagt der Forstexperte vor einer ein Hektar großen Kahlschlagsfläche. Die große Verbreitung des Borkenkäfers wirkt sich vor allem auf die Menge an Schadholz aus, das zwangsweise geerntet werden muss. Die befallenen Bäume müssen möglichst schnell aus dem Wald entfernt werden. „Das ist alternativlos – auch wenn die Forstarbeiter mit dem Aufarbeiten des Schadholzes kaum noch hinterherkommen“, zeigt Jürgen Stahl die Konsequenzen auf. Auch um die Buche steht es angesichts der Trockenheit nicht gut. Auf der ´Himmelsleiter´ zeigen die Forstfachleute stark geschädigte Buchenbäume. Um dem Klimawandel zu trotzen, setzen die Förster auf Mischbaumarten und die Naturverjüngung. „Wir sind in Eppingen schon auf einem vergleichsweise guten Stand“, erläutert Forstdirektor Rüter. Resistentere Arten wie Elsbeere, Esskastanie, Ulme, Ahorn, Sommerlinde und Schwarzkiefer sollen noch stärker als bisher gepflanzt und gefördert werden. Allerdings gibt es dazu noch wenig Erkenntnisse, so dass manches einfach ausprobiert wird. Weil auch die nordamerikanische Douglasie schwächelt, experimentiert man in Eppingen inzwischen sogar mit Exoten wie der Libanon-Zeder. Wo es geht, setzen die Förster auf natürliche Verjüngung. Ein Mischwald aus vier Baumarten – davon keine über 30 Prozent - hat das geringste Risiko. Denn „jeder Schädling, der weltweit vorkommt, landet irgendwann auch in unserem Wald“, sagt Revierförster Stahl. Blieb für die Stadtkasse am Ende eines Forstjahres meist ein sechsstelliger Betrag übrig, muss man sich in den nächsten Jahren wohl auf zunehmende Defizite einstellen. Allein ein Hektar Kulturfläche kostet rund 10.000 Euro. Zehn Hektar Naturverjüngungsfläche weist der Stadtwald aktuell auf. Den Waldhaushalt 2020 stellt Forstdirektor Rüter dem Gemeinderat am 1. Oktober vor.

Das Gremium informierte sich vor Ort über den Zustand des Waldes.
Unter der fachkundigen Führung von Forstdirektor Martin Rüter und den Revierleitern Michael Meny und Jürgen Stahl machte sich der Eppinger Gemeinderat am 11. September auf eine zweistündige Tour durch den Eppinger Stadtwald.