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Samstag, 04.02.2012

"Un ebbes Bsunders"

Saumarkt

Der Marktplatz war lange Jahre auch der Ort für die Abhaltung des bekannten Eppinger "Saumarktes", eines der größten Schweinemärkte Badens. Zwischen 400 und 600 Milchschweine und Läufer wurden hier zum Kauf angeboten. Jeden Freitagmorgen setzte der Ratsdiener Hermann Nagel eine kleine gelb-rote Fahne am Rathauseingang als Zeichen, dass der Markt beginnen konnte.
Reges Treiben entwickelte sich; Käufer und Verkäufer aus dem weiten Umland feilschten um die in großen Weidenkörben angebotenen Schweine. Geheimnisvoll anmutende Handzeichen besiegelten jeweils Kauf und Verkauf. Der Freitag war auch für manchen Gastwirt der umsatzstärkste Tag der Woche , denn dem Marktbesuch schloss sich traditionell ein Frühschoppen zum Austausch von Neuigkeiten an. 1979 wurde zum letzten Mal ein Schweinemarkt abgehalten.

Eisgekühlt

Unter diesen Fachwerkgebäuden befinden sich eindrucksvolle, tiefe, gewölbte Keller. Hier lagerten die Metzger im Winter in den außerhalb der Stadt an Bächen angelegten Eisweihern gebrochenes Eis zur Kühlung ihrer Waren ein. Diese Eisvorräte reichten dann bis in den folgenden Sommer. Noch bis in den 50er Jahren kühlte Metzgermeister Werner Hoffmann auf diese Weise seine Produkte.

Badische Lumbe

Das kleine, dem Schultheißenhaus vorgelagerte Gebäude diente an dieser belebten Handelsstraße als Zolleinnehmerhaus. In Eppingen, der "Stadt an der Grenze", wurde hier der Durchgangszoll eingenommen, sehr zum Leidwesen der württembergischen Kleingartacher.
Die Landesgrenze verlief im Eppinger Stadtwald. Alte Grenzsteine markieren noch heute deutlich deren Verlauf zwischen Großherzogtum Baden und dem Königreich Wüttemberg. Mitten darauf stand einmal eine gewaltige Eiche. Diese war bei Grenzumgängen immer wieder zum Streitobjekt geworden. Eines Tages lag sie gefällt auf der württembergischen, Kleingartacher Seite. An der Oberseite des Baumstumpfes stand geschrieben:
"So ihr badische Lumbe, mir häwa d`Schdamm un ihr d`Schdumbe"

Kirchenteilung

Der Wechsel von der reformierten Linie Pfalz-Simmern zur katholischen Linie Pfalz-Neuburg führte zur Wiederzulassung der Katholiken in der Kurpfalz. Im sog. Simultaneum (1705) wurde das Kirchenvermögen im Verhältnis 5:2 unter beiden Konfessionen geteilt. In den Städten mit nur einer Kirche wurde die Kirche aufgeteilt: Die Reformierten erhielten das Langhaus, die Katholiken den Chor.
Diese Regelung führte vielfach zum Streit zwischen den beiden Konfessionen. So auch in Eppingen. 1705 wurde in Eppingen wegen der geringen Fläche des Chores die Trennmauer 20 Fuß hinter dem damals vorhandenen Lettner im Langhaus errichtet. Zehn Jahre später erzwangen die Katholiken mit Unterstützung des Oberamtsschultheißen in Bretten die Versetzung der Mauer um weitere 18 Fuß in das Langhaus, was die Reformierten nur unter Androhung von Strafen taten. Nach einer Beschwerde der reformierten Kirchengemeinde entschied die Religionskommission in Heidelberg, dass die Trennmauer wieder an die alte Stelle gesetzt werden müssen.

Pfeifferturm

Als die Eppinger während der badischen Revolution 1849 ihr Truppenkontingent für den Kampf gegen die preußische Armee aufstellten, warteten sie vergeblich auf Metzgermeister Konrad Trefz.Seine Frau versteckte ihn unter Betttüchern und Matratzen. Auf die Anfrage des Anführers, wo er denn bleibe, antwortete seine Frau: "Der ist heute morgen zum Vieheinkaufen gegangen und noch nicht zurück." Die Truppen zogen ohne ihn ab.
Nach der Niederlage bei Waghäusel wurden die fliehenden Revolutionstruppen von den Preußen verfolgt und die Eppinger "Freischärler" am Neuhof gefangen genommen und in die engen Gefängniszellen im Pfeifferturm eingesperrt.Wenn Konrad Trefz mit seiner Frau später am Pfeifferturm vorbeikam, deutete sie auf den Turm und sagte:"Sieh‘scht, do owe dätschd jetzt sitze, wenn i net gwest wär."

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